Grafenthaler Gold - Ein Lobgesang
von Graf von Thaler
Der Grafenthaler (oder einfach nur Grafen) ist ein edler
Weinbrandverschnitt, der in den Filialen der Handelskette ALDI-Nord für
3,50 € zu beziehen ist. Obgleich pur nur schwer verdaulich, so ist er
doch ein steter Quell der Lebensfreude, sobald man ihn zu 2/3 (Jungs)
bzw. 3/4 (Mädchen) mit Cola veredelt. In dieser Mischung entfaltet der
Grafen auch seine wahre Größe. Im Gegensatz zu teureren Produkten
verhält sich dieses günstige Tröpfchen dann nämlich geschmacklich sehr
unaufdringlich. In einem Grafenlongdrink sind keine Störnuancen, wie
Eichenfaßgeschmack, Rauch, Jahrgangsschwankungen o.ä. Blödsinn
auszumachen. Stets präsentiert er sich im gleichen Gewand: Vergorene
Coke. Das macht ihn zu einem idealen Begleiter für Konzerte, Feiern,
Theaterbesuche oder Führerscheinprüfungen.
Will man seinen Grafen stilecht geniessen, so ist dringend von Schwenkern, Nosing-Gläsern oder Tumblern abzuraten. Die ganze Abwesenheit der geschmacklichen Vielfalt kann sich erst so richtig in einem Plastikbecher entfalten. Das hat auch durchaus seinen Grund: Die kleinsten Salzsäurebestandteile im Kunststoff verbinden sich mit den ULF-Atomen im Grafen. Eine höhere Produktion an Magensäure beim Konsumenten ist die Folge und resultiert in gelegentlichem Aufstossen oder Erbrechen. Eine nette Gelegenheit für die Geschmacksknospen nocheinmal vollends in diese raffinierte Melange einzutauchen.
Doch auch auf der rein gefühlsmäßigen Ebene ist das Gräfchen allen anderen Spirituosen weit voraus. Die Banderole, die den Flaschenhals ziert und ein mittelalterliches Wappen zeigt, lädt zum Träumen von längst vergangenen Zeiten ein. Zeiten in denen man sich nicht der geringschätzigen Blicke der anderen Leute im Supermarkt erwehren musste, weil man den kompletten Einkaufswagen mal wieder lediglich mit Schnaps und Chips beladen an die Kasse schiebt. Ein wahrer Ritter würde nicht (so wie wir) schnell noch ein Packung Björn-Knäckebrot und einen Apfel auf das Band legen, um die Situation noch halbwegs erträglich zu gestalten. Nein, nein. So ein gestandener Held würde mit seinem Bihänder ... ähh ... ich schweife ab.
Auch der Schraubverschluss aus handgeschmiedetem Weißblech vermittelt beim erstmaligen Öffnen ein Klangerlebnis wie es seines gleichen sucht. Kein pathetisches "Blögg" wie bei verkorkten Flaschen. Kein prahlerisches "Puff", kein "Pleng". Nur das erhabene und schlichte Geräusch von raspelnden Glassplittern auf schlecht geformtem Metallgewinde: "KNIÄÄÄÄÄÄRSCHLPLICK".
Und der soziale Aspekt? Einen Grafen kann sich finanziell jeder leisten. Gesellschaftlich hingegen kann das nur der verwegene Nonkonformist. Jemand der auf Konventionen und Normen pfeift. Ein echter ROCK'N'ROLLER halt! O.k., cracksüchtige Kleinkriminelle natürlich auch ... ähh ... und natürlich alkoholkranke, arbeitslose Zeitschriftenwerber aus Sachsen ... achja ... und frustrierte Hausfrauen, die gelegentlich von ihrem Ehemann verprügelt werden und deshalb auch im Schwimmbad Rollkragenpullis tragen ... klar ... natürlich auch Staplerfahrer im Praktiker-Baumarkt - jedenfalls fahren die immer so ...
Will man seinen Grafen stilecht geniessen, so ist dringend von Schwenkern, Nosing-Gläsern oder Tumblern abzuraten. Die ganze Abwesenheit der geschmacklichen Vielfalt kann sich erst so richtig in einem Plastikbecher entfalten. Das hat auch durchaus seinen Grund: Die kleinsten Salzsäurebestandteile im Kunststoff verbinden sich mit den ULF-Atomen im Grafen. Eine höhere Produktion an Magensäure beim Konsumenten ist die Folge und resultiert in gelegentlichem Aufstossen oder Erbrechen. Eine nette Gelegenheit für die Geschmacksknospen nocheinmal vollends in diese raffinierte Melange einzutauchen.
Doch auch auf der rein gefühlsmäßigen Ebene ist das Gräfchen allen anderen Spirituosen weit voraus. Die Banderole, die den Flaschenhals ziert und ein mittelalterliches Wappen zeigt, lädt zum Träumen von längst vergangenen Zeiten ein. Zeiten in denen man sich nicht der geringschätzigen Blicke der anderen Leute im Supermarkt erwehren musste, weil man den kompletten Einkaufswagen mal wieder lediglich mit Schnaps und Chips beladen an die Kasse schiebt. Ein wahrer Ritter würde nicht (so wie wir) schnell noch ein Packung Björn-Knäckebrot und einen Apfel auf das Band legen, um die Situation noch halbwegs erträglich zu gestalten. Nein, nein. So ein gestandener Held würde mit seinem Bihänder ... ähh ... ich schweife ab.
Auch der Schraubverschluss aus handgeschmiedetem Weißblech vermittelt beim erstmaligen Öffnen ein Klangerlebnis wie es seines gleichen sucht. Kein pathetisches "Blögg" wie bei verkorkten Flaschen. Kein prahlerisches "Puff", kein "Pleng". Nur das erhabene und schlichte Geräusch von raspelnden Glassplittern auf schlecht geformtem Metallgewinde: "KNIÄÄÄÄÄÄRSCHLPLICK".
Und der soziale Aspekt? Einen Grafen kann sich finanziell jeder leisten. Gesellschaftlich hingegen kann das nur der verwegene Nonkonformist. Jemand der auf Konventionen und Normen pfeift. Ein echter ROCK'N'ROLLER halt! O.k., cracksüchtige Kleinkriminelle natürlich auch ... ähh ... und natürlich alkoholkranke, arbeitslose Zeitschriftenwerber aus Sachsen ... achja ... und frustrierte Hausfrauen, die gelegentlich von ihrem Ehemann verprügelt werden und deshalb auch im Schwimmbad Rollkragenpullis tragen ... klar ... natürlich auch Staplerfahrer im Praktiker-Baumarkt - jedenfalls fahren die immer so ...



